Mogendorf/Westerwald (Rheinland-Pfalz)

Bildergebnis für mogendorf karte postleitzahl Mogendorf ist eine kleine Kommune mit derzeit ca. 1.200 Einwohnern im Westerwaldkreis; sie gehört der Verbandsgemeinde Wirges an – ca. zehn Kilometer nordwestlich von Montabaur gelegen (Karte aus: suche-postleitzahl.org).

Mogendorf hatte im Vergleich zu den anderen Westerwald-Gemeinden gegen Mitte des 19.Jahrhunderts zeitweilig den höchsten Anteil jüdischer Ortsbevölkerung (max. 20%).

Die erste jüdische Familie siedelte sich in Mogendorf nachweislich Ende des 17.Jahrhunderts an; weitere folgten nach. Ihren Lebensunterhalt bestritten sie fast ausschließlich vom Viehhandel in der Region, einige betrieben Landwirtschaft im Nebenerwerb. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eröffneten mehrere der jüdischen Familienvorsteher offene Läden und Handlungen am Ort.

Der erste Betraum entstand Mitte des 18.Jahrhunderts auf Initiative eines Mogendorfer Juden, der nicht mehr länger den weiten Weg zum Gottesdienst nach Selters machen wollte; die Betstube war in einem Privathaus untergebracht. Für die Abhaltung der „jüdischen Ceremonie“ musste monatlich ein Reichstaler entrichtet werden. 1844 begann die jüdische Gemeinde mit dem Bau eines neuen Bethauses in der Fuhrgasse; dieses wurde um 1850 fertiggestellt und wies etwa 80 Männer- und 25 Frauenplätze auf; dem Gebäude war eine Mikwe angeschlossen. Die Plätze in der Synagoge wurden einige Jahre später öffentlich versteigert; der Erlös floss in die Gemeindekasse. Zur Mogendorfer Gemeinde zählten nun auch die Familien aus Vielbach und Quirnheim.

Neben der religiösen Unterweisung der jüdischen Schulkinder nahm ein von der Gemeinde angestellter Lehrer auch die Aufgaben des Vorbeters und des Schächters wahr.

Als Bestattungsstätte nutzten die Mogendorfer Juden den israelitischen Friedhof in Selters.

Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat (Bad) Ems (später Bad Ems-Weilburg).

Juden in Mogendorf:

         --- 1712 ......................... eine jüdische Familie,

    --- 1753 .........................  24 Juden(in 6 Familien),

    --- 1815 .........................  62   “  (in 10 Familien),

    --- 1843 ......................... 115   “  (ca. 21% d. Dorfbev.),

    --- 1871 ......................... 114   “  (ca. 16% d. Dorfbev.),

    --- 1885 .........................  83   “  ,

    --- 1895 .........................  69   “  (ca. 9% d. Dorfbev.),

    --- 1905 .........................  52   “  ,

    --- 1933 .........................  24   “  ,

    --- 1940 .........................  keine.

Angaben aus: Joachim Jösch/Uli Jungbluth/u.a. (Hrg.), Juden im Westerwald , S. 33

Von den zu Beginn der NS-Herrschaft lebenden jüdischen Bewohnern Mogendorfs haben fast alle bis Kriegsbeginn den Ort verlassen; sie zogen in größere Städte, einige emigrierten.

Während des Novemberpogroms von 1938 wurde das Bethaus - wegen Gefahr für die umliegenden Häuser - nicht in Brand gesetzt; doch SA- und SS-Angehörige zerschlugen mit Äxten Fenster und Inneneinrichtung. Das Zerstörungswerk in Mogendorf begann zunächst ein SS-Kommando, das vom Hachenburger Adolf Haas, dem späteren ersten Kommandanten des KZ Bergen-Belsen, befehligt wurde; unter seiner aktiven Beteiligung wurde die Synagogeninneneinrichtung völlig zerschlagen. Ein SA-Kommando zertrümmerte wenig später jüdischen Besitz und war verantwortlich für die Inhaftierung der in Mogendorf lebenden jüdischen Bewohner. Die letzten jüdischen Bewohner verließen das Dorf 1939.

Mehr als 30 gebürtige bzw. länger am Ort lebenden Personen mosaischen Glaubens wurden „in den Osten“ deportiert und kamen dort gewaltsam ums Leben.

Anfang der 1950er Jahre erwarb die evangelische Kirche das inzwischen verfallene ehemalige jüdische Bethaus – es war durch Kriegseinwirkung stark beschädigt worden - und baute die Ruine zu ihrer Kirche um. Eine Tafel im Eingangsbereich erinnert an die einstige Nutzung des Gebäudes:

Dieses Gebäude war früher die Synagoge der jüdischen Kultusgemeinde zu Mogendorf,

die über 100 Jahre bestanden hat.

  Evang. Kirche Mogendorf (Aufn. Karsten Ratzke, 2014, aus: wikipedia.org, CCO)

Weitere Informationen:

Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Societäts-Verlag, Frankfurt/M. 1971, Bd. 2, S. 92/93

F. Baaden, Chronik der Gemeinde Mogendorf, Ransbach-Baumbach 1985

Uli Jungbluth, Nationalsozialistische Judenverfolgung im Westerwald, Verlag Dietmar Fölbach, 2.Aufl., Koblenz/Föllbach 1994

Helwig Koch, Die Juden von Mogendorf, Goddert 1995

Joachim Jösch/Uli Jungbluth/u.a. (Hrg.), Juden im Westerwald - Leben, Leiden und Gedenken, Montabaur 1998, S. 33 f., S. 70 f. und S. 100 - 110

Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels “. Synagogen. Rheinland-Pfalz Saarland, Hrg. Landesamt für Denkmalpflege, Mainz 2005, S. 272/273

Thomas Huberty (Red.), Evangelische Kirche in Mogendorf war früher Synagoge, in: „Westerwälder Zeitung“ vom 5.8.2009

Mogendorf mit Quirnbach und Vielbach, in: alemannia-judaica.de