Meckesheim (Baden-Württemberg)

Bildergebnis für meckesheim baden-württemberg Meckesheim ist eine Kommune in der Kurpfalz mit derzeit ca. 5.500 Einwohnern im Rhein-Neckar-Kreis – knapp 20 Kilometer südöstlich von Heidelberg gelegen (Karte Hagar, 2010, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

Die Entstehung einer kleinen jüdischen Gemeinschaft im kurpfälzischen Dorf Meckesheim geht in die Zeit um 1700 zurück, als der Jude Moses Marx aus Dilsberg hier Aufnahme fand; ihm folgten bald weitere Angehörige seiner Familie, die den Stamm der kleinen Gemeinde bildeten.

Zunächst wurden die Gottesdienste in einem Betsaal eines Privathauses abgehalten. Um 1830/1840 errichtete die hiesige Judenschaft in der Leopoldstraße ihre Synagoge.

 

Ehem. Synagogengebäude (links: Hundsnurscher/Taddey, um 1965, rechts: Aufn. Michael Ohmsen, um 2010)

Ein von der Gemeinde angestellter Lehrer erteilte den Kindern Religionsunterricht und war zugleich auch als Vorbeter und Schächter tätig.

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Ausschreibung der Religionslehrerstelle aus dem „Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 8.10.1845

       Anzeigen aus: "Der Israelit" von 1900 und 1903

Verstorbene Juden aus Meckesheim wurden bis gegen Ende des 19.Jahrhunderts auf dem jüdischen Friedhof in Wiesloch begraben. Ab ca. 1895 stand ein eigenes kleines Areal am Rande des kommunalen Friedhofs zur Verfügung. 

Die Meckesheimer Kultusgemeinde zählte zum Rabbinatsbezirk Heidelberg.

Juden in Meckesheim:

        --- um 1745 ........................  3 jüdische Familien,

    --- 1809 ...........................  7     “       “    ,

    --- 1825 ........................... 40 Juden,

    --- 1843 ........................... 53   “  ,

    --- 1875 ........................... 63   “  ,

    --- 1900 ........................... 48   “  ,

    --- 1925 ........................... 25   “  ,

    --- 1933 ........................... 17   “  ,

    --- 1940 (Sept.) ...................  4   “  .

Angaben aus: F. Hundsnurscher/G. Taddey, Die jüdischen Gemeinden in Baden, S. 197

Ihren zahlenmäßigen Höchststand erreichte die israelitische Gemeinde Meckesheim mit knapp 70 Angehörigen in den 1880er Jahren. Die Meckesheimer Juden waren Händler in verschiedenen Branchen und lebten mehrheitlich in wirtschaftlich gesicherten Verhältnissen. Als Folge von Abwanderung hatte sich die Zahl der Familien stark reduziert; Anfang der 1930er Jahre gab es in Meckesheim noch vier kleinere Gewerbebetriebe, die jüdische Besitzer hatten.

Die jüdische Gemeinde in Meckesheim wurde 1937 durch Beschluss des Badischen Staatsministeriums aufgelöst, die noch verbliebenen Juden der Nachbargemeinde Neidenstein zuwiesen. Noch im gleichen Jahre wurde das Synagogengebäude verkauft; seither diente es als Wohnhaus und Werkstatt.

Von gewaltsamen Ausschreitungen gegenüber den zehn noch in Meckesheim lebenden jüdischen Bewohnern während der Novembertage 1938 ist nichts bekannt. Die letzten hier noch verbliebenen vier jüdischen Bewohner Meckesheims wurden Ende Oktober 1940 ins Lager Gurs deportiert. Mindestens neun Meckesheimer Juden kamen in der NS-Zeit ums Leben.

Auf dem ca. 450 m² großen jüdischen Friedhofsgelände befinden sich noch 22 Grabsteine. Seit 1985 erinnert hier auch ein Denkmal an die während der NS-Zeit ermordeten Meckesheimer Juden.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%2031/Meckesheim%20Friedhof%20155.jpg  http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%2031/Meckesheim%20Friedhof%20151.jpg

Gräber und Gedenkstein auf dem jüdischen Friedhof in Meckesheim (Aufn. J. Hahn, 2003)

                    http://www.rnz.de/cms_media/module_img/229/114606_1_org_image_4b9b44d0f250a27fef522505cb29695a.jpg Jugendliche aus Meckesheim haben 2007 im Rahmen des landesweiten Projektes in Erinnerung an die Deportationen badischer Juden nach Gurs einen „Memorialstein“ entworfen, der - neben mehr als 100 anderen Denkmälern - auf dem Gelände der zentralen Gedenkstätte in Neckarzimmern zu finden ist (Aufn. Geschwill, aus: Rhein-Neckar-Zeitung“ vom 22.10.2015)

2018 wurden in Meckesheim die ersten sog. „Stolpersteine“ verlegt; an zwei Standorten (Friedrichstr. und Leopoldstr.) erinnern die insgesamt zwölf Steine an Angehörige der beiden jüdischen Familien Kaufmann und Stein.

Weitere Informationen:

Friedrich Zimmermann, Ortsgeschichte des Kraichgaudorfes Meckesheim im Elsenztal, Meckesheim 1937

Friedrich Zimmermann, Die Juden in Meckesheim, Maschinenmanuskript 1936/1937

F. Hundsnurscher/G. Taddey, Die jüdischen Gemeinden in Baden, in: Veröffentlichungen der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg, Band 19, Kohlhammer Verlag, Stuttgart 1968, S.197/198

Joachim Hahn, Erinnerungen und Zeugnisse jüdischer Geschichte in Baden-Württemberg, Stuttgart 1988, S. 472/473

Monika Preuß (Bearb.), Der jüdische Friedhof in Meckesheim, Unveröffentlichte Grunddokumentation des Landesdenkmalamtes Baden-Württemberg, 1992

Joachim Hahn/Jürgen Krüger, “Hier ist nichts anderes als Gottes Haus ...” Synagogen in Baden-Württemberg, Teilband 2: Orte und Einrichtungen, Konrad Theiss Verlag GmbH, Stuttgart 2007, S. 321/322

Meckesheim, in: alemannia-judaica.de (mit Dokumenten zur jüdischen Ortshistorie)

Edith Wolber, Jüdisches Leben in Meckesheim bis 1940. Die vergessene Geschichte eines Kraichgaudorfes, Verlag regionalkultur Ubstadt-Weiher 2015

N.N. (Red.), Meckesheim. Erste Stolpersteine verlegt, in: „Rhein-Neckar-Zeitung“ vom 20.2.2018