Jever/Ostfriesland (Niedersachsen)

Jever ist die Kreisstadt des Landkreises Friesland in Niedersachsen mit derzeit ca. 14.000 Einwohnern - knapp 20 Kilometer westlich von Wilhelmshaven gelegen.

Jever war eines der Zentren jüdischen Lebens in Niedersachsen. Noch zu Beginn des 20.Jahrhunderts lebten in der Kleinstadt Jever mehr Juden als im wesentlich größeren Oldenburg.

Ansicht der Stadt Jever um 1650 – Radierung Heinrich van Lennep (Abb. Schlossmuseum Jever, aus: wikipedia.org, gemeinfrei)

Bereits 1497 wird erstmals der Aufenthalt einer Jüdin in Jever erwähnt, die dem jeverschen Häuptling Edo Wiemken d. Jüngeren nach einem Giftanschlag das Leben gerettet haben soll. Der erste urkundliche Beleg über eine Ansiedlung einer jüdischen Familie stammt aus dem Jahre 1698: In einem Schutzbrief erteilte der Fürst Carl Wilhelm zu Anhalt-Zerbst dem Juden Meier-Levi und seinen Nachkommen die Genehmigung, in Jever zur Miete zu wohnen und Handel zu treiben. Als sich die Zahl der hier lebenden Juden unwesentlich vergrößerte, protestierte die Jeversche Landschaft ständische Landesvertretung, konnte sich aber letztendlich nicht gegen die Landesherrschaft durchsetzen.

Im 18.Jahrhundert lebten etwa zehn jüdische Familien in Jever; in der Neuen Straße, auch „Judenstraße“ genannt, erhielten sie Wohnrecht. Bis Ende des 18.Jahrhunderts waren die Lebensbedingungen der Juden von Jevers sehr eingeschränkt; sie besaßen weder Gewerbefreiheit, Freizügigkeit; auch liefen sie dauernd Gefahr, aus der Kleinstadt vertrieben zu werden. 1776 gewährte ihnen der jeversche Landesherr, Fürst Friedrich August von Anhalt-Zerbst, das Recht auf freie Religionsausübung; Hintergrund dieser „neuen Toleranz“ war das Bestreben, den Zuzug von Kaufleuten und Handwerkern zu fördern, um damit die Wirtschaftskraft seines Ländchens zu stärken.

Schon drei Jahre später richtete die hiesige Judenschaft, die bald zur größten im Oldenburger Land wurde, in einer umgebauten Scheune einen Betraum ein. 1802 weihten die Gemeindemitglieder ihre neue Synagoge in der Wasserpfortstraße ein. Es war der erste eigens für diesen Zweck errichtete Synagogenbau des Oldenburger Landes. - Da die Gemeinde nach 1815 nicht mehr in der Lage war, ihren aus dem Bau der Synagoge entstandenen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen, drohte schließlich sogar der Verlust des Gebäudes. Durch eine Schenkung des wohlhabenden jüdischen Kaufmanns Samuel Koopmann verbesserte sich ab den 1830er Jahren die Situation der Gemeinde. An gleicher Stelle entstand 1879/1880 ein größeres, aus roten Backsteinen gefügtes Synagogengebäude, das das „ansehnlichste“ ihrer Art im Oldenburger Landes gewesen sein soll.

Synagoge von Jever (Aufn. um 1900, aus: wikipedia.org, PD-alt-100)

                               Blick auf die Große Synagoge von der Kleinen Wasserpfortstraße her (Bleistiftzeichnung um 1885 u. Stahlstich von A. Flitz, 1889)

                  Die „Allgemeine Zeitung des Judentums” berichtete in ihrer Ausgabe vom 21.12.1880 über die Einweihung:

Jever, im November. Am 25. d. M. feierte die hiesige isrl. Gemeinde das Fest der Einweihung ihrer neuerbauten Synagoge. Was in dieser, für die Bekenner des Judenthums so schweren Zeit diesen Act uns besonders erhebend macht und zugleich freudig Berührendes für die Glaubensgenossen in Deutschland enthält, ist theils die rege Betheiligung unserer christlichen Mitbürger, theils die Theilnahme der Orts- und Staatsbehörden der Stadt und des Kreises, insbesondere aber die hierbei gezeigte hohe Gnade unseres geliebten Landesherrn, Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs von Oldenburg. Infolge ergangener Einladung erschien am Tage der Einweihung der Cultusminister als Vertreter Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs, der sich vorher durch folgendes Schreiben wegen seiner Nichtbetheiligung hatte entschuldigen lassen: ... Aber auch die hiesige christliche Bevölkerung, speciell auch die gebildeten Stände, haben durch ihre Theilnahme an der religiösen Feier (eine beträchtliche Anzahl hat auch am Festessen Teil genommen) bewiesen, daß sie auch für ihre jüdischen Gemeindegenossen ein Herz haben und weit davon entfernt sind, sich von jener Seuche anstecken zu lassen, die dem deutschen Volke wahrlich nicht zur Ehre gereicht. - Der Weihegottesdienst war ein sehr erhebender auch für die christlichen Zuhörer. Der Gesang wurde unter Begleitung der Stadt-Kapelle recht gut ausgeführt. Der Landrabbiner, Dr. Glück, sprach über die Bedeutung und die Segnungen des Gotteshauses; seine Predigt war in edler Form gehalten und machte mit ihren schönen Gedanken den erbauendsten Eindruck.

In der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts gab es in Jever eine jüdische Volksschule, die von etwa 20 Schülern besucht wurde; in der Folgezeit gingen immer mehr jüdische Kinder auf die öffentlichen Volksschulen, und aus der jüdischen Schule wurde eine reine Religionsschule.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20116/Jever%20AZJ%2005021844.jpg http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20327/Jever%20AZJ%2020051873.jpg

Gemeindliche Stellenangebote aus der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5.Febr. 1844 und 20.Mai 1873

Der dem Landrabbinat Oldenburg unterstehende Synagogengemeinde Jever waren auch die Orte Fedderwarden, Hooksiel, Neuende, Pakens und Wangerooge angeschlossen.

Ihre Verstorbenen begruben die Juden Jevers anfänglich auf dem jüdischen Friedhof in Neustadtgödens oder auf dem bei Wittmund. Um 1780 erwarb die jüdische Gemeinde an der westlich der Stadt gelegenen Hohewarf in Schenum ein Friedhofsgelände; in den 1840er Jahren wurde der Friedhof erweitert. Der älteste nachweisbare Grabstein stammt aus dem Jahre 1795.

Juden in Jever:

    --- um 1735 .........................   5 jüdische Familien,                     

    --- um 1750 ......................... eine    “       “  (),

    --- um 1775 .........................   9     “       “    ,

    --- um 1795 .........................  17     “       “    .

    --- um 1800 ..................... ca. 100 Juden,

    --- 1814 ........................ ca. 140   “  (ca. 4% d. Bevölk.),

    --- 1837 ............................ 175   “  ,

    --- 1850 ............................ 139   “  ,

    --- 1861 ............................ 151   “  ,

    --- 1880 ............................ 219   “  ,

    --- 1905 ............................ 209   “  ,

    --- 1925 ............................ 118   “  ,

    --- 1933 ............................  98   “  ,

    --- 1936 ............................  78   “  ,

    --- 1938 (Nov.) ................. ca.  50   “  ,

--- 1939 (Sept.) ....................  39   “  .

Angaben aus: Werner Meiners/Hartmut Peters, Jever, in: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen

und                 Werner Meiners, Nordwestdeutsche Juden zwischen Umbruch und Beharrung ...

Im Gefolge der „Toleranz-Politik“ des jeverschen Landesherrn und der damaligen Wirtschaftskrise kam es 1776 in der Region Jever zu judenfeindlichen Ausschreitungen, die nur durch Einsatz von Militär beendet werden konnten. Als 1813 Jever an das Herzogtum Oldenburg fiel, trat das oldenburgische Judenschutzrecht in Kraft; ein Antrag der jüdischen Gemeinde auf Gewährung des Ortsbürgerrechtes wurde aber abgelehnt. Auch die neue „Judenordnung“ von 1827 führte kaum zu verbesserten Lebensbedingungen. Im Gefolge der 1848-Revolution erhielten die Juden in Oldenburg die bürgerlichen Freiheiten zugesprochen. In Jever wurde ihnen aber noch das kommunale Stimmrecht verweigert.

Als in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts Jever einen allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte, gewannen die hier lebenden jüdischen Familien im wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Leben der Stadt an Gewicht. Jever verfügte nun über einen Bahnanschluss und entwickelte sich zu einem Zentrum des Vieh- und Pferdehandels. In diesem Zusammenhang waren vor allem einige Juden erfolgreich im Viehhandel tätig. Etwa 40% der jüdischen Haushalte lebte um die Jahrhundertwende vom Viehhandel; daneben war Schlachten und Fleischverkauf eine weitere Erwerbsquelle. Auch jüdische Kaufleute, vornehmlich im Textilbereich, fanden in Jever ihr Auskommen und trugen mit ihren Geschäften maßgeblich zur Grundversorgung der hiesigen Bevölkerung bei.

Anzeigen jüdischer Viehhändler:

    

                                          aus: „Jeversches Wochenblatt”, versch. Jahrgänge

Die Zahl der jüdischen Einwohner Jevers stieg von 125 im Jahre 1855 auf 209 um 1900; dies entsprach etwa 0,4% der Gesamteinwohnerschaft, womit die Zahl der Juden in Jever höher als im größeren Oldenburg war; so wurde damals sogar erwogen, den Sitz des Landesrabbiners von Oldenburg nach Jever zu verlegen.

Die Jeveraner jüdischen Glaubens waren im wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen und nicht zuletzt im politischen Leben der Stadt integriert. Die meisten wohnten zu Beginn des 20.Jahrhunderts in den Neubaugebieten Blaue-, Bahnhofs- und Schlosserstraße; der größte Teil der Juden Jevers gehörte dem unteren Mittelstand an. Der Niedergang der Viehmärkte in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg führte auch zu einem Rückgang der jüdischen Bevölkerung in Jever.

Zu ersten antijüdischen Aktionen der jüngeren Zeit kam es bereits gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Mit dem rapiden Siegeszug der NSDAP in Jever und im Umland seit 1928 verstärkte sich auch der Antisemitismus, der vorher von einer Ortsgruppe des „Deutsch-Völkischen Schutz- und Trutzbundes“ vertreten worden war. Die in der Stadt führenden Nationalsozialisten setzten sich vornehmlich aus dem Lehrerkollegium des Mariengymnasiums zusammen; die Wortführer waren Dr. Oskar Hempel und der NSDAP-Ortsgruppenleiter Karl Gottschalck. Auch der Leiter des „Jeverschen Wochenblattes” übte durch seine Publikation einen starken antisemitischen Einfluss auf die Leserschaft aus.

1933 waren noch etwa 100 Juden in Jever ansässig. Wenige Wochen nach der Machtübernahme wurde am 1.April 1933 auch in Jever der Boykott jüdischer Geschäfte durchgeführt. Die NSDAP-Ortsgruppe rief mit dem folgenden Plakat zum Boykott auf:

 

Bereits im Februar 1933 war den jüdischen Viehhändlern der Zugang zu den öffentlichen Viehmärkten verboten worden. Auch die mit Juden handelnden Bauern des Umlandes wurden massiv bedrängt, keine Geschäfte mehr mit Juden zu machen, sodass auch diese Erwerbstätigkeit wegbrach. Oft folgte der wirtschaftliche Ruin; die jüdischen Händler Jevers mussten ihre Geschäfte aufgeben und verzogen meist in die norddeutschen Großstädte.

Schon vor dem Novemberpogrom wurden die Kuppelfenster der Synagoge in der Großen Wasserpfortstraße zerstört. Am frühen Morgen des 10.November 1938 zündeten SA-Einheiten die Synagoge an, die bis auf die Grundmauern niederbrannte. (Anm.: Die Ruine wurde 1939 abgerissen und auf dem Gelände in den 1950er Jahren ein Geschäftshaus errichtet.)

Schulkinder vor der zerstörten Synagoge am 10.11.1938 (Stadtarchiv)

           Brandreste der Synagoge (Aufn. aus: H. Peters, Der Pogrom ...)

Auch einige Wohnungen Jeveraner Juden wurden geplündert, die Bewohner beschimpft und z.T. auch misshandelt; anschließend lieferte man sie ins Gerichtsgefängnis ein. Männliche Juden wurden nach Oldenburg gebracht, wo sie öffentlich durch die Stadt getrieben wurden, und anschließend ins KZ Sachsenhausen verfrachtet. Fast alle nach Sachsenhausen Verschleppten kamen in den nächsten Wochen wieder frei.

                   Aus dem „Jeverschen Wochenblatt” vom 11.November 1938:

Vergeltungsmaßnahme für den jüdischen Mord

Judentempel brannte aus

Ebenso wie in zahlreichen anderen Städten und Orten des Reiches kam auch in  J e v e r  in der Nacht zum Donnerstag die berechtigte Empörung der Bevölkerung über den ... feigen Meuchelmord an dem deutschen Gesandtschaftsrat ... vom Rath machtvoll zum Ausdruck. In den frühen Morgenstunden des Donnerstag ging der Judentempel in der Gr. Wasserpfortstraße in Flammen auf. Obgleich sich der ganzen Einwohnerschaft eine ungeheure Wut bemächtigt hatte, verliefen alle Maßnahmen ... in bester Disziplin. ... Nicht zuletzt verdienen aber auch SA. und HJ. höchste Anerkennung für ihren Einsatz. In enger Zusammenarbeit mit der Gendarmerie führten sie die notwendigen Überwachungen und Festnahmen durch. Vorbildlicher Geist sprach aus dem ganzen Auftreten und der Haltung bei allen gestern durchgeführten Maßnahmen. Freiwillig und mit anerkennenswerter Opferbereitschaft erfüllte jeder seine Aufgaben, die sich als unbedingt notwendig erwiesen hatten. Zur gerechten Vergeltung der unerhörten Machenschaften des international verfilzten Judentums. In diesem Zusammenhang war es auch notwendig, die Juden Jevers in Schutzhaft zu nehmen.

Aus einem Zeitungsartikel des "Jeverschen Wochenblatt", der am 22.Nov. 1938 erschien: " ... Vor rund 250 Jahren nisteten sich die ersten Juden in der Stadt Jever ein. Die brave Einwohnerschaft wehrte sich jahrzehntelang gegen diese höchst unerwünschten Eindringlinge ... Jeder bodenständige Einwohner hat sich allezeit mit Abscheu abgewandt von diesem widerlichen und innerlich wie äußerlich fremden und abstoßenden Treiben der Juden, die uns immer wieder als unsere braven .Mitbürger’ präsentiert wurden ... Vielleicht dauert es nicht mehr lange und der letzte Jude hat unserer Heimat endgültig den Rücken gekehrt. Dann hat ein 250jähriges unrühmliches ‚Gastspiel‘ endlich sein Ende gefunden.

Nach dem Novemberpogrom 1938 wurden die noch bestehenden jüdischen Geschäfte aufgelöst bzw. an „arische“ Bewerber zwangsverkauft; im Dezember 1940 gab es in Jever keine jüdischen Geschäfte bzw. Unternehmen mehr. Ca. 35 Jeveraner Juden wurden nach Hamburg und Bremen zwangsumgesiedelt; etwa 70 jüdischen Bewohnern gelang es zu emigrieren, einige davon in die Niederlande. Doch nach dem deutschen Überfall auf die Niederlande wurden sie von dort in die Vernichtungslager - einige wenige auch nach Bergen-Belsen - deportiert.

Jeveraner Juden gelangten - häufig nach Irrfahrten durch mehrere Staaten - nach Großbritannien, Palästina, in südamerikanische Staaten, nach Shanghai, Kanada und Australien; fast alle konnten sich dort eine neue Existenz aufbauen.

Etwa die gleiche Anzahl wurde ab 1941 deportiert; sie starben in Riga, Auschwitz, Sobibor, Minsk, Lodz, Theresienstadt, Stutthof, Bergen-Belsen und anderen Lagern. Mindestens 63 Jeveraner Juden kamen in diesen NS-Lagern nachweislich ums Leben.

Vier Jahre nach Kriegsende wurden die Verantwortlichen der Novembertage 1938 vor Gericht gestellt. In einem ersten Urteil wurden die Hauptbeschuldigten, die sich auf „Befehlsnotstand“ beriefen, freigesprochen; doch gegen diesen Freispruch legte die Oberstaatsanwaltschaft Berufung ein. In einem erneuten Verfahren wurden mehrjährige Haftstrafen ausgesprochen. Daraufhin legten die Verurteilten erfolgreich Berufung ein; die Strafen wurden abgemildert.

Fritz Levy war der einzige Emigrant, der sich 1951 wieder in Jever ansiedelte. Auf dem Friedhof der Jüdischen Gemeinde, der 1945 wieder hergerichtet worden war, ließ Levy 1961 auf eigene Kosten ein Denkmal für die jüdischen Opfer errichten.

Der im Ortsteil Cleverns liegende Friedhof (in Schenum) wird von der Evangelischen Kirchengemeinde gepflegt; auf einer Fläche von ca. 1.600 m² sind etwa 220 Grabsteine erhalten geblieben, der älteste datiert aus dem Jahre 1796.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20116/Jever%20Friedhof%20418.jpg  https://friesenblog.files.wordpress.com/2011/08/dsc4545.jpg

Jüdischer Friedhof von Jever in Schenum (Aufn. Dieter Peters, 2007, aus: groeschlerhaus.eu)

Seit 1978 erinnert eine Gedenktafel am Hause Wasserpfortstraße 19 an die ehemalige Synagoge mit folgenden Inschrift:

Hier stand die Synagoge, das Gotteshaus der jüdischen Gemeinde unserer Stadt,

zerstört am 9.November 1938

ZUR ERINNERUNG UND MAHNUNG

(es folgt ein zweizeiliger hebräischer Text)

Wäre mein Kopf ein Brunnen, wären meine Augen Tränenquellen, weinen wollte ich Tag und Nacht um die Erschlagenen meines Volkes (Jeremia 8.23)

Jever im November 1978/Cheschwan 5739   Die Bürger der Stadt Jever

           http://www.alemannia-judaica.de/images/Niedersachsen/Jever%20Synagoge%20101.jpg (Aufn. J. Hahn, 1987)

Von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit wurde 1996 am Amtsgericht ein Mahnmal errichtet, das an die 63 jüdischen Opfer der Shoa erinnert.

      Mahnmal für die Holocaust-Opfer (Aufn. Gregor Helms, 2014, aus: wikipedia.org CCO)  

Seit 1988 trägt ein Straßenzug den Namen von Hermann Gröschler, dem letzten Vorsteher der Gemeinde. Zwei Jahre später wurde dem hiesigen Altersheim der Name „Marianne-Sternberg-Haus“ zurückgegeben.

Im Herbst 2014 wurde das „Gröschler-Haus“ - benannt nach den beiden jüdischen Kaufleuten und Vorstehern der Gemeinde Hermann und Julius Gröschler – als Zentrum für regionale Zeitgeschichte eingeweiht. Im Gebäude, das genau am Ort der einstigen Synagoge an der Großen Wasserpfortstraße steht, wird eine Dokumentation Jever´scher jüdischer Geschichte gezeigt.

Als „Mahnmal der Toleranz“ soll – angeregt durch eine private Initiative - auf dem ehemaligen Synagogengrundstück an der Großen Wasserpfortstraße 19 ein Nachbau der historischen Synagoge erfolgen; um die Finanzierung zu sichern, soll ein Verein gegründet werden. Zunächst ist eine virtuelle Realisierung des Synagogengebäudes geplant.

 

3D-Rekonstruktion Architekt Dr.-Ing. Klaus Zugermeier (aus: Nord-West-Zeitung vom 18.4.2018) und Susanna Jungmann (aus: nwzonline vom 13.11.2018)

Auf die Verlegung von sog. "Stolpersteinen" hat man in Jever bewusst verzichtet.

Hinweis: Ab Juli 1950 bestand auf dem früheren deutschen Militärfliegerhorst Upjever ein DP-Camp (offizielle Bezeichnung: "Resettlement Transit Camp Jever"), in dem bis zu 1.500 Insassen aus dem aufgelösten jüdischen DP-Lager Bergen-Hohne untergebracht waren. Die Camp-Bewohner, Juden meist polnischer oder ungarischer Herkunft, warteten dort weiter auf die Möglichkeit ihrer Emigration nach Israel, in die USA oder andere Länder. Verwaltet wurde das Lager von der Internationalen Flüchtlingsorganisation (IRO). International tätige jüdische Hilfsorganisationen, vor allem der amerikanische „Joint“, unterstützten die Lagerbewohner. Bis zur Schließung des Lagers in Upjever (August 1951) befand sich hier auch der Sitz des Zentralkomitees der befreiten Juden in der Britischen Besatzungszone.

Weitere Informationen:

Zvi Asaria, Die Juden in Niedersachsen, Verlag Rautenberg, Leer 1979, S. 479 f.

Johannes-Fritz Töllner/u.a., Die jüdischen Friedhöfe im Oldenburger Land. Bestandsaufnahme der erhaltenen Grabsteine, in: Oldenburger Studien, Band 25, Oldenburg 1983, S. 25 - 184

Hartmut Peters (Hrg.), Verbannte Bürger, Die Juden aus Jever - Dokumente und Darstellungen zur Geschichte der Juden Jevers 1698 - 1984, , in: Schriftenreihe des Jeverländischen Altertums- und Heimatvereins e.V., Jever, Heft No.19 ZEITDRUCK (Goldmann GmbH), Jever 1984

Günter Heuzeroth (Hrg.), Unter der Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus 1933-1945 dargestellt an den Ereignissen im Oldenburger Land, Band II: Verfolgte aus rassischen Gründen, Zentrum für pädagogische Berufspraxis, Oldenburg 1985, S. 127 f.

Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933 - 1945 - Niedersachsen II (Regierungsbezirke Hannover und Weser Ems), Pahl Rugenstein-Verlag, Köln 1986, S. 143 f.

Änne Gröschler, Erinnerung einer Jüdin an die letzten Wochen in Jever (1938), in: Oldenburger Jahrbuch 88/1988 (Auszug aus: Änne Gröschler, Aus dieser schweren Zeit, Jerusalem 1946)

Hartmut Peters, Der Pogrom vom 10./11.November 1938 in Jever und die Geschichte der jeverschen Synagogen 1698 bis 1988, in: E. Meyer (Hrg.), Die Synagogen des Oldenburger Landes, Heinz Holzberg Verlag, Oldenburg 1988, S. 41 - 121

Hartmut Peters, Die ‘Reichskristallnacht’ in Jever und die Geschichte der Jeverschen Synagogen, Jever 1992

Albert Marx, Geschichte der Juden in Niedersachsen, Fackelträger Verlag GmbH, Hannover 1995

Werner Meiners, Jüdisches Leben im Oldenburger Land vom Ende des 17.Jahrhunderts bis 1827, Dissertation Universität Oldenburg, 1997

Werner Meiners/Hartmut Peters, Jever, in: online abrufbar unter: unics-rrzn.uni-hannover.de

Werner Meiners, Nordwestdeutsche Juden zwischen Umbruch und Beharrung. Judenpolitik und jüdisches Leben im Oldenburger Land bis 1827, in: Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen, Band 204, Hannover 2001, S. 74 - 81 u.a.

Herbert Obenaus (Hrg.), Landjuden in Nordwestdeutschland. Vorträge des Arbeitskreises Geschichte der Juden in der Historischen Kommission für Niedersachsen u. Bremen, Hannover 2005, S. 49 ff.

Werner Meiners/Hartmut Peters (Red.), Jever, in: Herbert Obenaus (Hrg.), Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen, Wallstein-Verlag, Göttingen 2005, Bd. 2, S. 908 – 928

W. Meiners/H. Peters, Die Juden von Jever, in: Jeversche Wochenblatt, elfteilige Serie aus Anlass des 70.Jahrestages des Novemberpogroms, Okt./Nov. 2008

Jever, in: alemannia-judaica.de (mit diversen Dokumenten zur jüdischen Ortshistorie)

Die Juden von Jever, in: Friesenblog – Hinterm Horizont geht’s weiter, online abrufbar unter: friesenblog.com (Anm. darin: Fritz Levy, der letzte Jude von Jever - Hilfe für verwaisten jüdischen Friedhof (Schenum) u.a.

Der jüdische Friedhof in Jever, in: alemannia-judaica.de (mit zahlreichen Aufnahmen von Dieter Peters)

Helmut Burlager, Der jüdische Friedhof in Schenum – Fotos (2008), online abrufbar unter: friesenblog.com/backskiste/kultur/die-juden-von-jever/der-jdische-friedhof-in-schenum-fotos/

Zentrum für Jüdische Geschichte und Zeitgeschichte der Region Friesland (Hrg.), Jever – Der jüdische Friedhof, online abrufbar unter: groeschlerhaus.eu

Jever, in: Reise ins jüdische Ostfriesland, hrg. von der Ostfriesischen Landschaft, Aurich 2013

Melanie Hanz (Red.), Keine Stolpersteine zur Erinnerung, in: "Nordwest-Zeitung" vom 14.5.2014

Erinnerungsorte der NS-Zeit Friesland, Hrg. Zentrum für Jüdische Geschichte und Zeitgeschichte der Region Friesland/Wilhelmshaven, online abrufbar unter: groeschlerhaus.eu

Hartmut Peters (Bearb.), Jever setzte den Standard: Die Architektur der Synagoge von 1880 und die anderen Synagogen Nordwestdeutschlands, abrufbar unter: groeschlerhaus.eu

Marco Seng (Red.), Schwarzweiße Spur in die Geschichte: Foto der Synagoge Jever gilt als Sensation – Im Nachlass eines Fotografen gefunden, in: nwzonline.de vom 11.6.2016

Melanie Hanz (Red.), Wer kennt die Babyschwester? (betr. DP-Camp Upjever), in: „Nordwest-Zeitung“ vom 13.5.2017

Änne Gröschler, Aus dieser schweren Zeit - About these Hard Times, Verlag Hermann Lüers, Jever 2017

Hartmut Peters (Red.), Jüdisches Jever – ein historischer Stadtrundgang (Broschüre), Jever 2018

Lore Timme-Hänsel (Red.), Erinnerung an jüdisches Leben in Jever, in: "Nordwest-Zeitung" vom 7.4.2018

Hartmut Peters, Die Synagoge von Jever, der Pogrom von 1938 und der lange Weg der Erinnerung. Schrift zur Ausstellung "80 Jahre nach dem Pogrom - die Synagoge von Jever und ihre Zerstörung im Jahre 1938, in: Schriften zur Geschichte des Nationalsozialismus und der Juden im Landkreis Friesland, No.4, Jever 2018

Rahel Wolf (Red.), Gröschler-Haus: Gebet erinnert an jüdische Jeveraner, in: „Nordwest-Zeitung“ vom 17.4.2018

Melanie Hanz (Red.), Synagoge soll wiedererstehen – zumindest virtuell, in: „Nordwest-Zeitung“ vom 18.4.2018

Wienke Stegmann/Jelena Fürstenberg(Red.), JEVER– Novemberpogrome 1938 in Niedersachsen, Hrg. Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten, online abrufbar unter: pogrome1938-niedersachsen.de/jever/

Susanna Jungmann (Red.), Synagoge wieder am alten Platz, aus: nwzonline.de vom 13.11.2018