Gensingen (Rheinland-Pfalz)

Bildergebnis für Gensingen karte postleitzahl Gensingen ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Mainz-Bingen und gehört zur Verbandsgemeinde Sprendlingen-Gensingen (Karte aus: suche-postleitzahl.org).

Im Dorfe Gensingen gab es eine um 1805 gegründete jüdische Gemeinde, die aber stets nur aus wenigen Familien bestand. Nach Auflösung der winzigen israelitischen Gemeinde im benachbarten Weindorf Horrweiler schlossen sich die noch verbliebenen Personen der Gensinger Gemeinde an.

Seit Anfang der 1860er Jahre gab es in Gensingen eine Synagoge auf dem rückwärtigen Teil des Grundstückes in der heutigen Langgasse (früher Hundsgasse); dabei soll es sich um das Bethaus aus Horrweiler gehandelt haben, das hierher transloziert worden war.

Zur Besorgung religiöser gemeindlicher Aufgaben war zeitweilig ein Lehrer angestellt.

aus: "Der Israelit" vom 24.2. 1869 u. vom 5.2. 1900*    

* Die Stelle wurde nach 1900 nicht mehr besetzt.

Nördlich des Dorfes - in der Flur "Der hintere Kieselberg" inmitten der Weinberge gelegen - gab es ein jüdisches Begräbnisgelände, das in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts angelegt worden war.

Um die Mitte des 19.Jahrhunderts erreichte die Zahl der Gemeindeangehörigen ca. 60 Personen; sie unterstanden dem Bezirksrabbinat Bingen.

Juden in Gensingen:

--- um 1810 .......................  3 jüdische Familien,

--- 1824 .......................... 26 Juden,

--- 1830 .......................... 32   “  ,

--- 1857 .......................... 61   “  ,

--- 1871 .......................... 46   “  ,

--- 1895 .......................... 55   “  ,

--- 1905 .......................... 38   “  ,

--- 1910/20 ....................... 27   “  ,

--- 1924 .......................... 21   “  ,

--- 1939 .......................... keine.

Angaben aus: Carl Schertel/Hermann Hofmann, Die einstige jüdische Gemeinde, in Gensinger Chronik, S. 72 – 76

und                 Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels “. …, S. 165

Das Bethaus muss Jahre vor dem Novemberpogrom verkauft worden sein; denn von Schändungen bzw. Zerstörungen ist das Gebäude (fortan als Lagerhaus benutzt) verschont geblieben. Gegen Ende der 1930er Jahre hatten alle jüdischen Bewohner Gensingen verlassen; die letzte jüdische Familie verließ Anfang Oktober 1939 das Dorf.

      http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20385/Gensingen%20KK%20MZ%20Weiss%20Ernst.jpg J-Kennkarte von Ernst Weiß (geb. 1931)

Nachweislich wurden sieben gebürtige bzw. länger im Dorf lebende jüdische Bewohner Opfer der Shoa. Nach Angaben der Gedenkstätte Yad Vaschem/Jerusalem und dem „Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung“ sollen deutlich mehr ehemalige jüdische Bewohner Gensingens in der NS-Zeit umgekommen sein.

Der mitten in den Weinbergen liegende jüdische Friedhof, dessen Areal ca. 2.500 m² umfasst, weist heute nur relativ wenige Grabsteine auf.

  http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20319/Gensingen%20Friedhof%201135.jpg 

Eingangstor zum jüdischen Friedhof und Teilansicht des Geländes (Aufn. Mike Simons, 2011)

Weitere Informationen:

Carl Schertel/Hermann Hofmann, Die einstige jüdische Gemeinde, in: Gemeindeverwaltung Gensingen (Hrg.), Gensinger Chronik - Beiträge aus Kultur und Geschichte der Gemeinde 768 - 1968, o.O. 1968, S. 72 - 76

Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Societäts-Verlag, Frankfurt/M. 1971, Bd. 1, S. 249

Dokumentation jüdische Grabstätten im Kreis Bad Kreuznach. Geschichte und Gestaltung, in: Reihe Heimatkundliche Schriftenreihe des Landkreises Bad Kreuznach, Band 28/1995, S. 261 – 282

Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels “. Synagogen. Rheinland-Pfalz Saarland, Hrg. Landesamt für Denkmalpflege, Mainz 2005, S. 165

Gensingen mit Horrweiler, in: alemannia-judaica.de (mit diversen Aufnahmen vom jüdischen Friedhof)

Joachim Köhler/Sandra Hummel, Historisches Gensingen (Taschenbuch), 2018