Busenberg (Rheinland-Pfalz)

Bildergebnis für busenberg karte Busenberg ist eine kleine Kommune mit derzeit ca. 1.300 Einwohnern im Landkreis Südwestpfalz; sie gehört zur Verbandsgemeinde Dahner Felsenland – ca. 30 Kilometer südöstlich von Pirmasens gelegen (Karte aus: suche-postleitzahl.org).

Im pfälzischen Busenberg hat es bereits im 18.Jahrhundert eine relativ große jüdische Landgemeinde gegeben, die um 1850 mit ca. 170 Mitgliedern ihren personellen Höchststand erreichte. Die Busenberger Gemeinde war die zentrale Kultusgemeinde im Wasgau. Eine bereits seit den 1760er Jahren existierende Betstube ersetzte die Busenberger Judenschaft vermutlich bereits im frühen 19.Jahrhundert durch einen Synagogenneubau in der Hauptstraße. Im Obergeschoss des Fachwerkbaus war ein Betraum untergebracht, der über 30 Männer- und 20 Frauenplätze verfügte; im Erdgeschoss befand sich ein Schulraum.

                         Synagoge in Busenberg (Rekonstruktionszeichnung H. Repp, aus: O. Weber)

Ab 1837 gab es auch eine jüdische Elementarschule. Sie schloss aber bereits 1871 ihre Pforten, und die jüdischen Kinder besuchten von da an die örtliche katholische Volksschule. Die Religionsschule blieb bestehen und wurde gemeinsam mit Erlenbach betrieben.

    http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20120A/Busenberg%20Israelit%2009101899.jpg

Stellenanzeigen in der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 4.5.1883 und vom 9.10.1899

Zu den gemeindlichen Einrichtungen gehörte auch eine bis ca. 1890 genutzte Mikwe.

Ihre Verstorbenen beerdigte die jüdische Gemeinde auf der zentralen Begräbnisstätte des Wasgaus, dem 1824 (oder 1833) eingerichteten Friedhof in der Busenberger Gemarkung „Bei der Lehmgrube an der Straße“; zuvor hatte man den jüdischen Friedhof in Annweiler genutzt. In Busenberg fanden auch Juden aus den drei Wasgau-Dörfern Dahn, Erlenbach und Vorderweidenthal ihre letzte Ruhe.

Juden in Busenberg:

    --- 1784 ...........................  79 Juden (in 18 Familien),

    --- 1823/24 ........................ 127   “  ,

    --- 1835 ........................... 141   “   (ca. 20% d. Dorfbev.),

    --- 1848 ........................... 170   “   (in 31 Familien),

    --- 1867 ........................... 129   “   (ca. 17% d. Dorfbev.),

    --- 1875 ...........................  74   “  ,

    --- 1885 ...........................  89   “  ,

    --- 1900 ...........................  50   “  ,

    --- 1925 ...........................  30   “  ,

    --- 1933 ...........................  30   “  ,

    --- 1936/37 ........................  17   “  ,

    --- 1938 ...........................   2   “  .

Angaben aus: Otmar Weber, Wie eine weiße Lilie in ihrer ersten Blüte ... Der jüdische Friedhof Busenberg, Dahn 1998

und                 Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels ..., S. 130

Relativ viele Juden Busenbergs waren im 19.Jahrhundert als Landwirte tätig. Diese Tätigkeit war eigentlich für Juden untypisch, da ihnen über Jahrhunderte hinweg jeglicher Erwerb und Besitz von Grund und Boden versagt blieb.

Die meisten jüdischen Einwohner Busenbergs hatten bis 1938 ihren Heimatort bereits verlassen. 16 Busenberger Juden wurden Opfer der Shoa.

Vom einstigen Synagogengebäude sind keine Spuren mehr vorhanden, es wurde in den 1950er Jahren abgerissen. Das Gebäude, das einst als jüdisches Schulhaus diente, hat die Zeiten überdauert. Das Mikwen-Häuschen – es war das einzig noch erhalten gebliebene in der Pfalz – wurde 2017 abgerissen.

Ehem. Mikwe (Aufn. aus: alemannia-judaica.de) http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%2080/Busenberg%20Mikwe%20100.jpg

Eine Gedenktafel in der Hauptstraße unterhalb der Kirche erinnert an die ehemaligen jüdischen Bewohner mit den Worten:

Zur Erinnerung an unsere Mitbürger jüdischen Glaubens

im Gedenken an ihr erlittenes Schicksal durch Verfolgung, Deportation und Ermordung durch die Nationalsozialisten (1933 - 1945).

Den Toten zum Gedenken, den Lebenden zur Mahnung.

Gemeinde Busenberg, im Dezember 1993

Der seit 1986 unter Denkmalschutz stehende jüdische Friedhof bei Busenberg weist heute noch etwa 280 Gräber auf.

             Jüdischer Friedhof bei Busenberg (Aufn. Gerd Eichmann, 2010, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

 

Im Wasgau hat es neben der in Busenberg noch drei weitere jüdische Gemeinden gegeben: in Dahn, Erlenbach und Vorderweidenthal.

Im östlich Busenbergs gelegenen Vorderweidenthal hat es im beginnenden 19.Jahrhundert eine relativ große jüdische Gemeinde gegeben, so stellten die hiesigen Juden um 1825 mit ca. 80 Personen immerhin mehr als 12% der Ortsbevölkerung. Zwei Jahrzehnte später setzte eine Abwanderung ein, und um 1875 lebten nur noch 22 jüdische Bewohner im Ort, zu Beginn des Ersten Weltkrieges nur noch zwei Familien. Nach der Auflösung der Gemeinde um 1910 schlossen sich die verbliebenen Juden Vorderweidenthals der jüdischen Gemeinde Erlenbach an.

[vgl. Dahn (Rheinland-Pfalz)]

[vgl. Erlenbach (Rheinland-Pfalz)]

Weitere Informationen:

Hermann Arnold, Juden in der Pfalz - Vom Leben pfälzischer Juden, Pfälzische Verlagsanstalt, Landau/Pfalz 1986

Karl Fücks/Michael Jäger, Synagogen der Pfälzer Juden. Vom Untergang ihrer Gotteshäuser und Gemeinden, Hrg. Jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz, Neustadt/Weinstraße 1988

Alois Schmitt, Jüdische Einrichtungen in und um Busenberg, in: Heimatkalender für das Pirmasenser und Zweibrücker Land 1988, S. 29 - 32

Monika Cämmerer, Busenberg - Ein Judenfriedhof in der Pfalz, in: "Die Rheinpfalz - Pfälzer Tageblatt (Ausgabe Landau)" vom 4.11.1988 (‘Juden in Bergzabern’)

Alfred Hans Kuby (Hrg.), Pfälzisches Judentum gestern und heute. Beiträge zur Regionalgeschichte des 19./20.Jahrhunderts, Verlag Pfälzische Post, Neustadt a.d.Weinstraße 1992

Otmar Weber, ‘Novemberverbrecher’ - Die Täter von Busenberg, in: "Die Rheinpfalz - Pirmasenser Rundschau" vom 5.12.1994

Bernhard Kukatzki, Der jüdische Friedhof in Busenberg, in: Die Rheinpfalz, Pirmasenser Rundschau vom 7.1.1995

Elisabeth und Otmar Weber, Die letzten Beerdigungen auf dem jüdischen Friedhof Busenberg, in: Heimatkalender Pirmasenser und Zweibrücker Land 1997, S. 41 - 43

Albrecht Vogelsang, Geblieben sind Friedhöfe, Wörter und Fragen: Eröffnung der Ausstellung “Der jüdische Friedhof in Busenberg’, in: Heimatkalender Pirmasenser und Zweibrücker Land 1998, S. 29 - 33

Otmar Weber, Wie eine weiße Lilie in ihrer ersten Blüte ... Der jüdische Friedhof Busenberg - Die zentrale Begräbnisstätte im Wasgau, Dahn 1998

Busenberg, in: alemannia-judaica.de (mit einigen Dokumenten zur jüdischen Ortshistorie)

Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels. Synagogen. Rheinland-Pfalz Saarland, Hrg. Landesamt für Denkmalpflege, Mainz 2005, S. 130 und S. 375

Otmar Weber, Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südwestpfalz, hrg. von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz (Landau), Dahn 2005, S. 216 f. und S. 248

Otmar Weber, Judentum im Wasgau. Erhaltenswerte jüdische Kulturdenkmäler im Wasgau. Synagoge in Dahn - Mikwe und Friedhof in Busenberg, Dahn 2006

Albert Nagel (Red.), Mikwen-Haus abgerissen – Baufälliges Gebäude überraschend beseitigt – Heimatforscher Otmar Weber entsetzt, in: „Rheinpfalz“ – Lokalausgabe vom 23.10.20017

Otmar Weber (Red.), Synagoge, Friedhöfe und das zerstörte Bad – Arbeitskreis hat den Kampf um die Erhaltung des Mikwen-Häuschens vergeblich gefochten, in: „Südwestpfalz-Kurier“ vom Nov. 2017