Barr (Elsass)

Kreis Schlettstadt.png Im unterelsässischen Barr - etwa 35 Kilometer südwestlich von Straßburg gelegen - gab es erst ab der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts eine jüdische Gemeinde. Nach deren Konstituierung im Jahre 1868 und der zeitgleich erfolgten Einrichtung eines Betraumes konnte dann zehn Jahre später ein neues Synagogengebäude eingeweiht werden.

                  Thora-Vorgang in Barr (aus den 1870er Jahren)

Mit der Auflösung der Judengemeinde in Varff wurden die Ritualien nach Barr gebracht.

Die jüdische Gemeinde in Barr unterstand zunächst dem Bezirksrabbinat Dambach.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20262/Barr%20FrfIsrFambl%2010121909.jpg aus: "Frankfurter Israelitisches Familienblatt" vom 10. Dez. 1909

Verstorbene Gemeindeangehörige wurden zunächst auf dem jüdischen Zentralfriedhof in Rosenweiler/Rosenwiller – ca. 20 Kilometer nördlich von Barr gelegen – beerdigt, ehe am Ort ein kleines Begräbnisgelände zur Verfügung stand.

Der jüdische Friedhof in Rosenweiler/Rosenwiller ist der größte jüdische Friedhof im Elsass und zugleich einer der größten jüdischen Verbandsfriedhöfe in Mitteleuropa. Folgende israelitische Gemeinden bestatteten hier ihre Toten: Baldenheim, Bergheim, Biesheim, Bischheim, Bonhomme, Brumath, Buswiller, Dambach, Dangolsheim, Diebolsheim, Dinsheim, Duppigheim, Duttlenheim, Eckbolsheim, Epernay, Epfig, Ettingen, Fegersheim, Grusenheim, Gunstett, Kaysersberg, Kolbsheim, Krautergersheim, Kuttolsheim, Lingolsheim, Molsheim, Mutzig, Niedernai, Obernai, Oberschaeffolsheim, Osthoffen, Ottrott-le-Bas, Rosheim, Scharrachbergheim, Schirmeck, Soultz, Stotzheim, Strasbourg, Traenheim, Valff, Zellwiller. Auf dem ca. 40.000 m² großen Begräbnisgelände werden nahezu 6.500 Grabstätten gezählt; die meisten vorhandenen Grabsteine stammen aus der Zeit des 18. und frühen 19.Jahrhunderts.

Juden in Barr:

    --- 1861 ........................... keine Juden,

    --- 1870 ...........................    49   “  ,

    --- 1900 ...........................   125   “  ,

    --- 1910 ...........................   124   “  ,

    --- 1936 ...........................   108   “  ,

    --- 1939 ....................... ca.   110   "   (in 40 Familien),

    --- 1953 ...........................    41   "  ,

    --- 1965 ...........................    46   “  .

Angaben aus: Michel Rothé/Max Warschawski, Les synagogues d’Alsace et lieur histoire, S. 34

Die jüdischen Familien in Barr bestritten ihren Lebensunterhalt fast ausschließlich im Handelsgewerbe - so als Textilhändler, Pferde- u. Viehhändler und als Einzelhändler; Gabriel Acker betrieb am Ort die Chemiefabrik Mosses.

Während der deutschen Okkupation wurde die Synagoge demoliert, und die jüdischen Bewohner wurden aus ihren Häusern vertrieben und nach Südfrankreich deportiert. Nachweislich sind 25 jüdische Bewohner Barrs Opfer der NS-Herrschaft geworden.

Die kleine Nachkriegsgemeinde nahm 1950 ihr renoviertes Synagogengebäude wieder in Besitz. Nach Auflösung der Gemeinde wurde das Synagogengebäude Anfang der 1980er Jahre abgebrochen. Die Gebotstafeln und die Portalinschrift blieben erhalten und sind nach Straßburg verbracht worden.

   

 Frontansicht der ehem. Synagoge Barr - Portalinschrift - Aron ha-Kodesch (Aufn. M. Rothé)

Aus dem nahen Kloster Hohenburg stammt ein Werk aus der Zeit um 1180, das als Belehrungs- und Erziehungsfibel für die Nonnen gedacht war und antijüdische Darstellungen zeigt.

Weitere Informationen:

Michel Rothé/Max Warschawski, Les synagogues d’Alsace et lieur histoire, Jerusalem 1992

Jean Camille Bloch, La communauté juive de Barr (Aufsatz in www.judaisme.sdv.fr)

The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust (Vol. 1), New York University Press, Washington Square, New York 2001, S. 90

Barr, in: alemannia-judaica.de