Baldenburg (Westpreußen)

Die Stadt Baldenburg (im Reg. bezirk Marienwerder) siehe am linken Kartenrand

In Baldenburg (poln. Bialy Bor) – im äußersten nordwestlichen Teil des ehem. Kreises Schlochau, ca. 30 Kilometer nordöstlich von Neustettin gelegen – sollen bereits in den 1770er Jahren (mit der 1.Teilung Polens war der Ort preußisch geworden) wenige jüdische Familien gelebt haben. Neben den zugelassenen „Schutzjuden“ sollen auch unvergleitete Judenfamilien hier gelebt haben.

Um die Wende zum 19.Jahrhundert erfolgte dann ein beträchtlicher Zuzug jüdischer Familien nach Baldenburg. Im Jahre 1810 erhielten 30 jüdische Haushaltsvorstände die preußische Staatsbürgerschaft.

Im Zusammenhang des Zuzüge jüdischer Familien wurde eine eigene Elementarschule eingerichtet; allerdings soll diese nur zwei Jahrzehnte bestanden haben, danach als Religionsschule weitergeführt sein.

Am Mühlenflies besaß die Gemeinde eine bescheidene Fachwerksynagoge vermutlich erbaut 1842 und vom Rabbiner der Kultusgemeinde Stolp, Dr. Joseph Klein, eingeweiht. Zuvor hatten sich die Gemeindeangehörigen in einer Betstube versammelt.

                                                               Synagoge ("Tempel") in Baldenburg (hist. Aufn., um 1930)

In den 1780er Jahren war der Judenschaft ein Begräbnisgelände am Ortsrand (in der Bublitzer Straße) zugewiesen worden.

Juden in Baldenburg:

--- 1783 ........................   6 'Schutzjuden“ mit ihren Familien,

--- 1831 ........................ 154 Juden (ca. 13% d. Bevölk.),

--- 1840 ........................ 125   “  ,

--- 1849 ........................ 114   “   (in ca. 20 Familien),

--- 1871 ........................  93   "   (ca. 4% d. Bevölk.),

--- 1890 ........................  83   “  ,

--- 1903 ........................ 107   “  ,

--- um 1915 ................. ca.  50   “   (ca. 2% d. Bevölk.),

--- 1924 ........................  48   “  ,

--- 1939 (Mai) ..................   6   “  .

Angaben aus: Gerhard Salinger, Zur Erinnerung und zum Gedenken. Die einstigen jüdischen Gemeinden Westpreußens, Teilband 3, S. 600 f.

Marktplatz in Baldenburg (hist. Aufn., um 1930?)

Im Zusammenhang der Konitzer Ritualmordbeschuldigung kam es auch in Baldenburg zu antijüdischen Ausschreitungen. So soll der Mob im Frühjahr 1900 die Innenräume der Synagoge und Fenster/Türen jüdischer Geschäfte zerstört haben.

1938 wurde das Synagogengebäude abgebrochen.

Vom ehemaligen jüdischen Friedhof sind heute – außer einigen unter Vegetation verborgenen Grabsteinrelikten - keinerlei Überreste mehr vorhanden.

Weitere Informationen:

Hans Jakob Schmitz, Die Stadt Baldenburg und ihre Geschichte. Zum 550jährigen Bestehen der Stadt, Schneidemühl 1932

Max Aschkewitz, Zur Geschichte der Juden in Westpreußen, in: Wissenschaftliche Beiträge zur Geschichte und Landeskunde Ost-Mitteleuropas, Marburg/Lahn 1967

Gerhard Salinger, Zur Erinnerung und zum Gedenken. Die einstigen jüdischen Gemeinden Westpreußens, New York 2009, Teilband 3, S. 600 – 610

Wolfgang Kessler, Zur Geschichte von Baldenburg, einer Kleinstadt im Grenzraum von Pommern und Westpreußen, Herne 2008

Bialy Bor, in: sztetl.org.pl